16.03.2026
Untersiggenthal, Schweiz
Seminarleiterin: Elke Göttl-Resch
Graphic Recording: Michaela Nutz
Support: Christoph Burr, Sara Götz (Fotos), Hanna Kobel-Würmli
Organisation: Schule Untersiggenthal, Schweiz
Ein Einblick auf Basis des Schul-Protokolls
Neue Möglichkeitsräume und Wege aus der Ohnmacht
Souverän handeln in Eskalationen – Beziehung bewahren – gewaltfrei bleiben
Die Forschungsfrage: Wie kann NeuroDeeskalation® in der schulischen Praxis aussehen?
Ziel der Fortbildung: Die Teilnehmenden erwerben praxisnahe, körperorientierte Kompetenzen, um Eskalationen im Schulalltag frühzeitig zu unterbrechen, auch in kritischen Situationen handlungsfähig zu bleiben und dabei Beziehung, Sicherheit und eigene Werte zu wahren. NeuroDeeskalation® wird als wirksame Ergänzung zur Neuen Autorität und zum gewaltfreien Widerstand vermittelt.
"Das ist es! So möchte ich wirksam sein."
Es scheint eine zunehmende Anzahl heißer Eisen zu geben, die den Schulalltag herausfordernd gestalten. Jede/r kennt das, man verfängt sich dabei dann sehr leicht im Opfer-Täter-Pseudoretter-Dreieck. Es braucht also neue Wege, gewaltfreie Wege, noch mehr Friedensarbeit. Aus diesem Anliegen heraus ist der Ansatz der NeuroDeeskalation® gewachsen. Es ging darum, auf neuen Wegen befriedigende Selbstwirksamkeit zu finden, sich bei der Arbeit sagen zu können: „Das ist es, so möchte ich wirksam sein.“
Was sind die Fragen, die sich im Alltag an der Schule stellen:
1. Wie gehe ich mit Stressregulation um: vor, während und nach herausfordernden Situationen?
2. Wie erreiche ich Schüler:innen während der Eskalation, wenn "das Eisen heiß" ist?
"Ich bin GRÜN"
GRÜN bedeutet in der NeuroDeeskalation®: Ich bin bei mir, ich bin ein atmendes System, ich kann Beziehung wahrnehmen / anbieten, ich bin wach, ich habe eine klare Position, mein Nervensystem ist reguliert. Ich bin präsent - ich kann als soziale Orientierungsperson wahrgenommen werden.
"Ich bin ROT"
ROT bedeutet in der NeuroDeeskalation®, mein Nervensystem befindet sich im Bedrohungszustand (Flüchten, Kämpfen, Erstarren). Die essenziellen Fragen die sich stellen sind: Was ist mein eigenes ROT und woran erkenne ich es (Körper, Gedanken, Emotionen)? Woran merke ich in meinem Körper, dass es stressig wird? Welche Gedanken / Gefühle bieten sich an?
Je besser und schneller ich das erkenne, umso besser kann ich gegensteuern und wieder ins GRÜN kommen.
Beispiele vom eigenen ROT
Hannas kleine Rotgeschichte: Der Schultag beginnt gut, ich habe einen Kaffee gehabt, alle Mails sind beantwortet. Die Schulbusse kommen, es gibt klare Regeln, nämlich dass man direkt ins Schulzimmer geht und nicht auf dem Parkplatz stehen bleibt. Ein Junge hält sich nicht daran. Er sagt: "Du bist nicht meine Lehrerin." - Rot kommt in mir. Wahrnehmen: Oh! Da kommt was. Kurz innehalten und wahrnehmen.
Christophs kleine Rotgeschichte: Ich muss das, ich muss das auch noch. Es wird mir eng. Ich atme schneller, ich habe so viele Gedanken und das muss ich auch noch und da sollte ich auch noch sein. Das sind meine AlltagsROT: Mischung zwischen meinen Gedanken, schnelles Atmen. Was mache ich dann? Dann gehe ich mit der rechten Hand an mein Brustbein und mache mir bewusst, dass es mir hier eng wird.
Saras kleine Rotgeschichte: Ich sollte jetzt hier was sagen und wusste das nicht. Das ist ein kleines Rot. Ich mache Elternberatungen. Die können sehr resistent sein. Ich merke mein Rot, wenn ich mich nach vorne beuge und sage, was jetzt wichtig ist. Ich spreche die ganze Zeit, ich spreche schnell, gehe nicht in den Kontakt, die verstehen gar nicht was ich sage. Das ist mein ROT. Ich lehne mich zurück, weil so kann auf der anderen Seite gar nichts ankommen.
Fazit
> ROT ist bei jeder Person anders. "Ah, so gehe ich vor. Jetzt werde ich ROT."
> ROT-Früherkennung: Über den Tag Übergänge gestalten: GRÜN beginnen, ROT erkennen und GRÜN erkennen. "Ich kann gestalten, ich habe die Zeit … das bringe ich an meinen Arbeitsplatz mit."
Gruppenarbeit: ROT wahrnehmen
Wo wird es in mir ROT? Wahrnehmen? Wie kann ich das regulieren? Wohlwollend mit mir umgehen. In der Gruppe ankommen. Wie entsteht eigentlich Kontakt in einer Gruppe? Was ist mein Thema von diesem Morgen?
Erkenntnisse
> Rita: „Sich selber eingestehen: Ich bin jetzt rot. Mach du mal weiter. Ich bringe da jetzt nichts.“
> Fragerunde: „Kann ich ein Eltern-Gespräch führen, wenn ich nicht als Orientierungsperson angesehen werde, da man mir die Kompetenz nicht zuordnet?“
> Wir suchen: Was ist der Hintergrund einer Frage / eines Verhaltens?
> Das eigene Feuer teilen: Atmen mit der ganzen Klasse, wenn ich in den roten Bereich komme. Das wirkt sich auf die ganze Klasse aus.
> "Es macht mir keine Freude, dann tanz ich halt mit den Kindern jeden Tag zum Unterrichtsbeginn."
> Niemand kann immer grün sein. Rot sein ist ein Früherkennungssystem. Das ist unvermeidbar und wichtig. Aber ich kann das Rot früher erkennen und herausfinden: Wie kann ich mich wieder wohl fühlen? Ohne noch irgendetwas zusätzlich tun zu müssen. Wie kann ich wieder präsent sein? Wie kann ich soziale Orientierungsperson werden?
Selbst- und Co-Regulation
Das Leben beginnt mit Kontakt. Das Baby nimmt Kontakt auf, exploriert, lernt die Welt kennen über Kontakt.
Bottom Up: Aus dem Körper heraus, Schaukelbewegungen, am Ring drehen, mich berühren, Hände kneten, …
Top Down: z.B. gegenseitige Unterstützung. Wissen, ich kann mich an jemanden wenden. Wissen, ich mache nichts falsch, wenn ich mich im Moment nicht selber regulieren kann.
Gruppenarbeit: Guidance - Körpersprache
Expermientieren mit Guidance über körpersprachlichen Impuls, sich selbst beobachten, wie gehe ich jetzt in die Gruppe. Werde ich ROT? Klarheit, Kopf-Vertrauen / Bauchvertrauen
- Ausprobieren: Unterschied zwischen frontalem und seitlichem Kontakt
- Berührungen: Handrücken, Berührung ohne Berührung, Hand auf den Tisch legen
Übung: Äußere Aufgabe – Innere Aufgabe (Inner Job Description)
Ich kann entscheiden, wie ich die innere Aufgabe angehe. Ich kann meinen Gestaltungsraum nutzen. Ich entscheide über meine Haltung.
Äußerungen der Teilnehmenden zum Abschluss
Sei eine Orientierungsperson
Es gibt nichts zu erreichen, ich habe die Wahl
Von Rot wieder nach Grün kommen
Unterstützung
Selbstregulation
Sich Zeit lassen
Führung im Raum, Präsenz
Atmen
Kontakt im Innen und Außen
Graphic Recording
Zum Graphic Recording
NeuroDeeskalation® ist eine lebensbegleitende Forschungsreise, hier symbolisiert mit Hilfe eines Segelbootes. Orientierung gibt die innere Haltung und diese dem gesamten Team eine Richtung.
Das rote Rettungsboot: Eskalation. Ich bin alleine in einem kleinen Boot, getrennt von den anderen. Ich befinde mich im Bedrohungssystem. Ich bin ROT. Ich habe das Gefühl "ich muss" "und zwar schnell", "keine Zeit", "kein Raum". Mein Hirnstamm führt.
Gehirn: Mein Hirnstamm (Selbst-Regulation) und der Hirnstamm des Gegenübers (Co-Regulation) brauchen Zuwendung in Form von Körpersprache. Mit Hilfe von "Hirnstammkommunikation" kann das Nervensystem wieder von einem roten in einen grünen Zustand wechseln.
Das Segelboot: Mein Nervensystem ist reguliert. Ich bin mit mir und den anderen in Kontakt. Ich kann auf gegenseitige Unterstützung zählen. Ich fühle mich mit meinem Team verbunden. Ich bin GRÜN. Ich kann kreativ sein, habe Zeit und Raum für Ideen und Interventionen. Mein Großhirn führt.
Das Pendel mit den Positionen Break, Selbstregulation, Soziale Orientierungsperson werden, Kontaktaufbau, Guidance symbolisiert den Ablauf von Trigger und Eskalation, zur Wahrnehmung des eigenen ROTs über die Selbstregulation zur Co-Regulation. Und es bedeutet, das Pendel ist in Bewegung: wenn man wo hängen bleibt, einfach wieder von vorne anfangen.
Seminarleiterin & Support-Team
Elke Göttl-Resch
Geschäftsführerin ressourcenreich
Ausbildungsleitung NeuroDeeskalation®
Michaela Nutz
mnutzDesign
Grafik-Design, Illustration und Graphic Recording
Christoph Burr
NeuroDeeskalation® Trainer
Sara Götz
NeuroDeeskalation® Trainerin
Hanna Kobel-Würmli
NeuroDeeskalation® Trainerin