Betreuung der Implementierung:
Karin Malaizier, NeuroDe® Einrichtungscoaching
Elke Strauch, NeuroDe® Coach
Kurt Lackner, Bereichsleitung SoWo
Katharina Miesler, stellvertr. Bereichsleitung SoWo
Rettet das Kind Salzburg
Auszug aus dem Jahresbereicht 2026:
Mirjam Mitrovic´
Betreuerin der Jugend-WG Einstein
Rettet das Kind Salzburg ist eine gemeinnützige Sozialorganisation, tätig in den Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe, der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen und der Grundversorgung. Rund 300 MitarbeiterInnen widmen sich an 17 Standorten ihren Aufgaben. 100 Kindern- und Jugendlichen wird ein ein Zuhause gegeben, 300 Familien werden mobil unterstützt, 50 junge Erwachsene in Ihrer Berufsausbildung gefördert und 60 kriegsvertriebenen Menschen wird eine Grundversorgung zur Verfügung gestellt. Seit Anfang 2025 läuft in den Einrichtungen der sozialpädagogischen Wohnbetreuung (SoWo) der Implementierungsprozess der NeuroDeeskalation®.
Karin Malaizier, NeuroDe®-Coach und Ausbildnerin, ist für Implementierungen der NeuroDeeskalation® in Institutionen verantwortlich und betreut auch die Organisation Rettet das Kind Salzburg. Sie gibt einen kurzen Einblick in den Prozess: "Ich unterstütze und begleite Institutionen dabei, die Prinzipien der Neurodeeskalation® als festen und lebendigen Bestandteil ihrer Strukturen zu verankern. Durch fachliche Begleitung, praxisnahe Schulungen und individuell angepasste Formate, erarbeiten wir gemeinsam Ansätze, die eine nachhaltige Umsetzung innerhalb bereits bestehender Strukturen ermöglichen. Im Sinne unseres Adler-Bildes in der NeuroDeeskalation® gilt es zunächst, den Flugraum zu klären. Innerhalb der Initialisierungsphase wird eine Steuergruppe gebildet. Die Steuergruppe besteht aus leitenden Personen der Institution, Mitarbeiter:innen mit Schlüsselfunktionen und begleitenden Personen aus der NeuroDeeskalation®. Langfristiges Ziel ist die schrittweise Überführung der Steuerungsverantwortung in das System sowie die nachhaltige Verankerung der NeuroDeeskalation® in Strukturen und Kultur. Die Steuergruppe verantwortet die adaptive Gestaltung des Prozesses. Das heißt, dem Adler Aufwind zu ermöglichen: der strategische Rahmen wird geschaffen und die Anschlussfähigkeit im System sicher gestellt. Unter anderem heißt das: wir beobachten Resonanz, Irritation und Widerstand. Es folgen systematische Auswertung erster Rückmeldungen und adaptive Anpassung von Formaten, Tiefe und Tempo. Ein wesentlicher Schritt ist anschließend die Konsolidierung des Prozesses. Dabei geht es darum, die neurodeeskalierende Haltung langfristig im Alltag zu sichern und die Qualität der Umsetzung nachhaltig zu stabilisieren. Durch Follow-Up-Formate, ND®-Coaching, Führungscoaching und interne Ankergruppen wird gewährleistet, dass Wissen, Haltung und Handlungskompetenzen nicht punktuell bleiben, sondern kontinuierlich reflektiert, weiterentwickelt und im System getragen werden. Die Ankergruppen fungieren dabei als fachliche Orientierung im Alltag, begleiten Praxisreflexionen, unterstützen Teams bei Herausforderungen und sichern die Kontinuität der NeuroDeeskalation® innerhalb der Institution."
Elke Strauch, NeuroDe®-Coach und Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, begleitet die Betreuer:innen von Rettet das Kind Salzburg vor Ort. Sie betont v.a. die Vorteile der Betreuung über einen langen Zeitraum hinweg: "Ich erlebe es als besonders bereichernd und faszinierend, Fachkräfte im Rahmen eines Implementierungsprozesses über einen längeren Zeitraum hinweg zu begleiten und gemeinsam durch die Brille der NeuroDeeskalation® auf herausfordernde Situationen zu blicken. Gerade dieser gemeinsame Entwicklungsprozess eröffnet oft neue Perspektiven, schafft ein tieferes Verständnis für Verhaltensdynamiken und ermöglicht nachhaltige Veränderungen im pädagogischen und therapeutischen Alltag." (Podcast zu NeuroDeeskalation® mit Elke Strauch in der Mediathek.)
Kurt Lackner ist Bereichsleiter SOWO von Rettet das Kind Salzburg und Mitglied der Steuergruppe NeuroDeeskalation®. Seine Sicht auf den Prozess beginnt er mit einem Zitat Viktor Frankls:
"Es gibt einen Raum zwischen Reiz und Reaktion und in diesem Raum liegt unsere Freiheit und in dieser Freiheit liegt unsere Würde.“ (Viktor E. Frankl, 1946)
"Durch die Auseinandersetzung mit den Haltungen, Wirkungen und Möglichkeiten der NeuroDeeskalation® haben wir in unseren 10 unterschiedlichen Arbeitsteams insgesamt eine andere Arbeitsweise erfahren: „Es nicht so schnell in eine Lösung bringen zu müssen!“
Die Betreuer:innen kommen in Anwendung der deeskalierenden Positionierung nicht nur selber schneller wieder in einen Bereich, der zwar nicht immer gleich eindeutig „GRÜN“ ist - allerdings auch nicht gleichbleibend „ROT“.
Es gibt also noch mehr als GRÜN oder ROT - das, was auch Frankl mit dem Raum zwischen Reiz und Reaktion gemeint hat. Es mal nur würdigen. Es darf sein, dass jemand in Rage ist, es passiert, dass die Tasse fliegt, es geschieht während ich tief Luft hole. Die Situation ist heftig und ich kann es dennoch im Moment betrachten, aushalten, nicht gleich als Bedrohung erleben müssen, es auch gut sein lassen.
Ich kann es auch lernen, dass meine Handlungssicherheit in Schritten wächst. Nicht sprunghaft – aber kontinuierlich. Ich habe nicht alles unter Kontrolle – muss ich auch gar nicht.
Durch diese innere Erlaubnis, dass nicht jeder Moment kontrollierbar ist, dass ich auch mal auf die Seite treten kann, verändert sich automatisch mein unbewusster Beitrag als kongenialer Eskalationspartner. Wie eine Souffleuse im Theater, die Hamlet durch eine andere Textur besänftigt, statt aufwiegelt. Wenn dann auch noch durch Übung die passende verbale Begleitung, Intervention oder Hilfestellung zur Verfügung gestellt wird, kann es gelingen: das Führen zurück in die Beziehung.
Wir haben uns entschlossen, die Coachings unseren Arbeitsteams über die Grundausbildung hinaus weiterhin regelmäßig anzubieten. Wie uns das in finanziell herausfordernden Zeiten gelingen kann, ist eine andere Frage. Auch hier gilt es klug zu deeskalieren ..."
NeuroDeeskalation® im Jugendwohnhaus Einstein
Auszug aus dem Jahresbericht 2026
von Mirjam Mitrovic´, Betreuerin der Jugend-WG Einstein
Im Frühjahr 2025 wurde von unserer SOWO-Bereichsleitung eine umfassende Fortbildung zum Thema Neurodeeskalation für alle pädagogischen Mitarbeiter:innen organisiert. Innerhalb von drei Tagen wurden die spannenden Inhalte von zwei sehr erfahrenen Trainer:innen von „ressourcenreich“ mittels Theorie-Input sowie praxisnahen Übungen vermittelt. Ein riesiger Vorteil dieser Fortbildung war es zum einen, dass alle Mitglieder des Teams teilnahmen und zum anderen, dass es für ein ganzes Jahr ein begleitendes Coaching für jeweils zwei Kolleg:innen des Teams gab. Dies ermöglichte es, dass alle denselben Informationsstand haben und dass laufend aktuelle Thematiken und ggf. Krisen professionell mit einer NeuroDeeskalation®s-Expertin sowie anderen Teams besprochen und reflektiert werden konnten.
Zielsetzungen der Fortbildung waren, durch traumasensibles und neurobiologisch fundiertes Wissen, Eskalationen professionell und handlungsfähig zu begegnen und so Deeskalation zu ermöglichen. Theoretische Grundlagen hierfür bilden die Neurobiologie, Traumapädagogik, Bindungstheorie sowie Ressourcenorientierung. In der FB wurde das Wissen darüber vermittelt, dass das menschliche Gehirn auf Bedrohungen mit Fight, Flight oder Freeze reagiert. Bei traumatisierten Jugendlichen können Reize, die von außenstehenden nicht als gefährlich wahrgenommen werden, zu eben dieser Stress-Reaktion führen, die ein Fight-Flight-Freeze auslöst. Diese ist nicht rational kontrollierbar - hier übernimmt die Amygdala im Gehirn und gleichzeitig wird der präfrontale Kortex blockiert, der für Rationalität und Impulskontrolle zuständig wäre. Die Verknüpfung dieses Wissens mit den praktischen Übungen in der Fortbildung helfen uns nun im pädagogischen Alltag zu verstehen, wie essentiell stabile Beziehungen zu den Jugendlichen sind, um Verlässlichkeit und Sicherheit vermitteln zu können. Diese Aspekte stellen einen wichtigen Grundstein für die Prävention von Eskalationen dar. Besonders relevant ist auch der Fokus auf Stärken, Kompetenzen und die Selbstwirksamkeit von Jugendlichen und das transparente Einbeziehen der Jugendlichen beim Thema der Konfliktbewältigungsstrategien.
„Ich habe im Seminar gelernt, dass in eskalierenden Momenten schon ein kurzes Break, ein tiefer Atemzug, eine Veränderung der Körperposition unterstützend wirken können, um mich zu orientieren, mit mir in Kontakt zu kommen, „GRÜN“ (sicher) zu werden und vom Gegenüber als Support wahrgenommen zu werden.“
Insofern ist die NeuroDeeskalation® keine Methode, sondern eine Haltung und Begegnungsform, mit der Botschaft: „All das hat seine Wurzeln in deiner inneren Not. Ich finde Ruhe, ich sehe dich und begleite dich sicher hindurch.“
Im pädagogischen Alltag wird das Prinzip der NeuroDeeskalation® auf mehreren Ebenen umgesetzt. Zu Beginn steht natürlich die Prävention, welche sich in einem strukturierten Tagesablauf und klaren Regeln zeigen kann. Zusätzlich geht es auch um die Aktivierung von Ressourcen der Jugendlichen und darum zu lernen Frühwarnzeichen zu erkennen (Körpersignale, Emotionen). Kommt es zu einer Eskalation, gibt es Verhaltensweisen um hier möglichst deeskalieren zu agieren. Dazu zählen die verbale (ruhige, klare Sprache) und körperliche Deeskalation (Abstand wahren, offene Körperhaltung, nonverbale Signale der Sicherheit) sowie eine ruhige Präsenz (langsame Bewegungen, beruhigender Tonfall). Zu den stabilisierenden Techniken können Atem- und Entspannungsübungen, das Anbieten von Rückzugsräumen und ressourcenorientierte Gespräche nach Eskalationen gezählt werden. Nachsorge und Reflexion sind ebenso essentielle Bestandteile der NeuroDeeskalation® und haben einen positiven Effekt auf die Jugendlichen, aber auch auf das Betreuungsteam.
Kurt Lackner
Rettet das Kind Salzburg,
Fachbereichsleitung SoWo
Katharina Miesler
Rettet das Kind Salzburg,
stellvertr. Fachbereichsleitung SoWo
Karin Malaizier
NeuroDe® Ausbildnerin, Trainerin, Einrichtungscoaching
Elke Strauch
NeuroDe® Coach, Trainerin
Zur Zeit betreuen wir 250 Einrichtungen wovon sich 23 im Implementierungsprozess befinden.
> Mehr Info
