Bericht zum Fachtag "Leerling in crisis: Neurode-escalation als antwoord"
mit Elke Göttl-Resch und Christoph Göttl
Antwerpen, 21. November 2025
Veranstalter: Bildungsnetzwerk Neue Autorität und gewaltfreier Widerstand in der Schule
Vormingsnetwerk Nieuwe Autoriteit En Geweldloos Verzet Op School
& CNO (Universität Antwerpen)
Text: Stefanie Duyvejonck und Hilde Leonard
Übersetzung: DeepL.com, Überarbeitung ressourcenreich
Fotocredit: SeventyFour
Die Fragestellung zum Fachtag: „Lehrkräfte fühlen sich unter Druck gesetzt, in eine eskalierte Situation einzugreifen, um die Sicherheit wiederherzustellen. Aber was bedeutet das konkret?“
Der Thementag versprach eine Antwort darauf, ein Versprechen, das definitiv eingehalten wurde. Mit ihrem umfangreichen Fachwissen, spannenden Geschichten und praktischen Rollenspielen führten uns Christoph Göttl und Elke Göttl-Resch durch den Tag, der nach Meinung vieler, viel zu schnell vorbei war. Das Engagement der Gruppe war sehr groß und das Thema erwies sich als fruchtbarer Boden für einen regen Austausch. Der Veranstaltungsort und die Zusammenarbeit mit dem CNO (Universität Antwerpen) trugen ebenfalls zu einer sehr angenehmen Atmosphäre bei. Viele zeigten sofort Interesse an einer Fortsetzung. Unser Bildungsnetzwerk wird sich gemeinsam mit dem CNO Antwerpen sowie Christoph und Elke erneut damit befassen. Fortsetzung folgt ...
Stefanie Duyvejonck erzählt im Folgenden, was ihr von diesem Tag in Erinnerung geblieben ist, und gibt einen kleinen Einblick:
Was bedeutet Neurodeeskalation® in der Praxis?
Zuerst Selbstregulierung!
Selbstregulierung ist der erste Schritt innerhalb einiger einfacher körperorientierter Werkzeuge, um eine Eskalation zu unterbrechen. Das Verständnis der eigenen Selbstregulierung hilft Ihnen, die Eskalation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Es hilft Ihnen auch, die Situation „für einen Moment” zu unterbrechen, bevor Sie weitermachen. Diese Unterbrechung gelingt Ihnen durch Training immer besser.
Aus dem Publikum kamen zahlreiche Beispiele dafür, wie wir uns selbst regulieren können, was nur bedeuten kann, dass wir oft schon sehr bewusst damit umgehen. Drei einfache Tipps aus der körperorientierten Therapie von Christoph und Elke wurden geteilt: „Atmen, Hand auf das Herz legen und wiegende Bewegungen”.
Sind Sie rot oder grün?
Wer „rot” ist, ist noch unreguliert. Dann ist entweder Selbstregulierung oder die Unterstützung eines anderen erforderlich, um „grün” zu werden. Über Selbstregulierung werden Sie „grün”. Über Co-Regulierung kann der regulierte Zustand („grüne Zustand”) auf andere übertragen werden.
„Es dreht sich alles um Körpersprache”
Ein kurzer theoretischer Rahmen: Unser Gehirn besteht aus verschiedenen Teilen, die kurz- oder langfristig handeln. Bei akuter Gefahr oder Eskalation dominiert unser Reptiliengehirn, sodass wir nur noch kämpfen, fliehen oder erstarren können. In diesem Zustand schenken wir dem, was andere sagen, keine Beachtung. Jede Botschaft ist viel zu komplex und kommt nicht an. Was bleibt übrig? Die Körpersprache „lesen“, den Tonfall einer Stimme hören und interpretieren.
Werden Sie zur sozialen Bezugsperson!
Nur als soziale Bezugsperson können Sie Einfluss auf die andere Person nehmen, um die Situation zu ändern. Wie macht man das?
Zuerst regulieren Sie sich selbst (Anm. ressourcenreich). So strahlen Sie „pure Präsenz” aus.
Mit Ihrer Körpersprache können Sie Ihre Präsenz verstärken. Eine offene Haltung, Augenkontakt und eine physische Einladung (z. B. eine ausgestreckte Hand) signalisieren der Person, die sich in einer Eskalationssituation befindet, dass Sie da sind und keine Gefahr darstellen.
Anschließend geben Sie ein „Signal”, um die Situation zu unterbrechen. Dieses Signal kann visuell oder akustisch sein. Es kann auch mit Vibrationen, Temperatur, einer sicheren Berührung usw. zu tun haben. Es handelt sich um ein sensorisches Signal, bei dem Schmerzen unbedingt vermieden werden müssen.
Danach beginnen Sie mit dem „Spiegeln”: Sie nehmen die gleiche Haltung ein, wiederholen bestimmte Wörter, passen Ihre Atmung an die des anderen an, erkennen und benennen die Emotionen, ...
Erst dann kann eine Verbindung hergestellt und eine Lösung für die Situation gesucht werden. Intuition kann dabei ein wirkungsvolles Mittel sein. Die Aufforderung lautet: Experimentieren Sie und finden Sie heraus, was für Sie funktioniert.
In verschiedenen Rollenspielen demonstrierte Christoph wie man in unterschiedlichen Situationen zur sozialen Bezugsperson werden kann.
Christoph ist Kinder- und Jugendpsychiater und Arzt mit Spezialisierung auf körperorientierte Therapie. Elke ist Traumatherapeutin, spezialisiert auf körperorientierte Therapie. Gemeinsam verbanden sie Praxis und Theorie in ihrer spannenden Erläuterung der Neuro-Deeskalation, einer Methode, die sie selbst entwickelt haben.
Wie passt Neurodeeskalation® zu Neuer Autorität und gewaltfreiem Widerstand?
NAGV steht für eine Form der Autorität, bei der Beziehungen im Mittelpunkt stehen statt Kontrolle und Zwang. Für viele Lehrer*innen passt diese Philosophie gut zu dem Bild nach dem sie lehren möchten.
Die sechs Säulen und die ihnen zugrunde liegende Haltung können Lehrer*innen helfen, auch in Zweifelsfällen, bei Ohnmacht, anhaltendem unerwünschtem Verhalten usw. aus einer Position der Stärke und Verbundenheit heraus zu handeln. Dabei spielt das Unterstützungsnetzwerk eine zentrale Rolle: Man muss es nicht alleine schaffen. Das Mantra „Schmiede das Eisen, solange es kalt ist” hilft Lehrer*innen, sich im Moment eines Konflikts nicht zu verlieren. Die Stärke von NAGV auch darin, dass man immer darauf zurückkommen kann.
Das bedeutet jedoch nicht, dass man in einer schwierigen Situation nichts unternimmt. Wenn ein Schüler sich nicht an eine Vereinbarung hält, sich auf dem Spielplatz gefährdend verhält, den Unterricht unmöglich macht usw., muss man in diesem Moment auch etwas unternehmen. Indem man eine klare Haltung einnimmt, die Stille nutzt, präsent bleibt, das Unterstützungsnetzwerk einbezieht und auf deeskalierende Sprache und Haltung setzt, kann man oft verhindern, dass eine Situation eskaliert oder die Ohnmacht überhandnimmt.
Aber was, wenn das nicht ausreicht? Was, wenn man den Kontakt zu einem Schüler verliert, die Situation physisch unsicher wird, man sich selbst in eine schwierige Lage begibt? Gerade dann greifen Lehrer:innen oft wieder auf Kontrolle und Zwang zurück. Lehrer*innen zeigen dann manchmal ein Verhalten, das nicht mehr mit ihren eigenen Werten übereinstimmt. Dadurch gerät die Beziehung zum Schüler unter Druck. Die Säulen von NAGV fallen wie ein Kartenhaus zusammen... Lehrer*innen fühlen sich dabei oft nicht wohl, wie die folgenden Aussagen zeigen:
"Da ich der einzige Mann im Team bin, werde ich manchmal aus dem Lehrerzimmer gerufen, wenn es zu Streitigkeiten kommt. Oft reicht meine Anwesenheit aus, um die Gemüter zu beruhigen. Kürzlich konnte ich einen Schüler nicht beruhigen. Mit den Blicken aller Schüler*innen und Kolleg*innen im Rücken habe ich den sich wehrenden Schüler über den gesamten Schulhof ins Gebäude gezogen. Das fühlte sich so nicht richtig an! Ich möchte so etwas nie wieder erleben, weiß aber nicht, was ich sonst hätte tun können."
In unserer Schule ist es manchmal sehr schwierig, Schüler*innen aus dem Unterricht zu entfernen, wenn sie stören. Wir erwägen eine Schulung in physischen Techniken, um Schüler*innen in solchen Situationen unter Kontrolle zu halten, damit wir sie physisch entfernen können. Viele Lehrer*innen sind jedoch überhaupt nicht damit einverstanden. Es muss doch eine humanere Möglichkeit geben, mit solchen Situationen umzugehen?
Was wäre, wenn es möglich wäre, auch in kritischen Situationen mit Respekt sowohl gegenüber den Schüler*innen als auch gegenüber den verantwortlichen Erwachsenen zu handeln? Was wäre, wenn es möglich wäre, auch in solchen Momenten die Beziehung intakt zu halten oder sogar zu stärken? Neurodeeskalation® kann uns dabei den Weg weisen.
NeuroDeskalation® ist ein innovativer, gewaltfreier Ansatz, der konkrete Hilfsmittel bereitstellt, um Situationen, in denen jemand in eine Krise gerät, auf eine Weise zu deeskalieren, die allen Beteiligten – Lehrer*innen, Schüler*innen und Umstehenden – Respekt entgegenbringt. Mit Neurodeeskalation® unterbrechen wir Eskalationen, stellen durch den Einsatz neurobiologischer Signale Kontakt zu der Person in der Eskalation her und bieten ihr erneut die Erfahrung von Verbundenheit und Sicherheit.
Die körperorientierten Techniken stärken Lehrer und Betreuer darin, geerdet zu bleiben und dem eskalierenden Jugendlichen auch unter Druck solide Unterstützung zu bieten. In Schulen kann es beispielsweise eingesetzt werden, um einen Schüler in einer Krise zu beruhigen, ohne freiheitsbeschränkende Maßnahmen, Ausschluss oder Strafen anzuwenden. Die Wirkung von Neurodeeskalation® hängt nicht von der Intelligenz, dem Alter oder dem körperlichen oder geistigen Zustand des Schülers / der Schülerin ab.
Erfahrungsberichte: Die Auswirkungen von NeuroDeeskalation in einer Schule
In den folgenden Videoclips berichten ein Schulleiter und einer Lehrerin aus Stuttgart über ihre Erfahrungen mit der Umsetzung von Neurodeeskalation® in einer Schule für Kinder mit Verhaltens- und Bindungsproblemen. Nach intensiven Schulungen und Begleitungen vollzog die Schule einen grundlegenden Wandel: von Kontrolle und Fixierung hin zu Prävention, beziehungsorientierter Arbeit und dem Schaffen von Sicherheit. Der Ansatz führte zu weniger Eskalationen, mehr Ruhe in der Schule und einer positiven Veränderung in der Haltung und Sprache des gesamten Teams.
